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WELT ONLINE - "Tragbare Mode für Millionen"

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"Tragbare Mode für Millionen"

Heinz Oestergaard ist tot.

Der ehemalige Modedesigner Heinz Oestergaard ist im Alter von 86 Jahren an den Folgen einer Lungenentzündung gestorben. Er erlag am frühen Samstagmorgen im oberbayerischen Bad Reichenhall der Krankheit, wie seineHaushälterin Monika Ziemer mitteilte. Oestergaard kleidete zahlreiche Prominente ein, darunter Romy Schneider, Hildegard Knef, Maria Schell und Zarah Leander.

Heinz Oestergaard stammte aus Berlin, wo er am 15. August 1916 geboren wurde und in großbürgerlichen Schöneberger Verhältnissen aufwuchs. Seine Familie betrieb einen Schulbuchverlag, den Oestergaard eigentlichweiterführen sollte. Doch er war schon als Junge von der Mode besessen.
Seine Berufslaufbahn begann 1938 beim damaligen Modehaus Erich Vogel in Berlin, nach dem Krieg richtete er in einer Villa im Grunewald sein erstes Modeatelier ein.

Oestergaard setzte als einer der Ersten neue Chemiefasern beiseinen Stoffen ein, entwarf für die Damen der Gesellschaft Kleider mit Pariser Chic mit weichen, fließenden Linien. Am meisten fotografiert aber wurden die eigenwilligen Kreationen des prominenten Modeschöpfers.

Früh erkannte Oestergaard den Trend zu einer "Demokratisierung der Mode" und setzte sich als Modeberaterverschiedener Textilunternehmen und Faserproduzenten für eine tragbare "Mode für Millionen" ein. 1967 zog ernach München und wurde Modechef des Versandhauses Quelle, pflegte daneben aber weiter seine Haute-Couture-Kollektionen.

1985 verabschiedete er sich als Modeverantwortlicher bei Quelle. Neben Kleidern, darunter auch Filmkostüme, entwarf Oestergaard Dessous, Schuhe und Brillen. Außerdem entdeckte er für die Mode den Bereich der Berufskleidung und der Uniformen etwa für die ADAC-Straßenwacht, die Polizei und auch die Handelsmarine der Sowjetunion.

Von 1978 bis 1985 war Oestergaard Professor für Mode und Design an der Fachhochschule für Gestaltung in Pforzheim. Mitte der achtziger Jahre erlernte er die Kunst der Glasbläserei und überraschte in der Folge immer wieder mit künstlerischen Vasenfantasien. Außerdem entwarf er Teppiche und Möbel.

Für sein Lebenswerk erhielt Heinz Oestergaard das Bundesverdienstkreuz. Bis zum vergangenen Jahr lebte der Modeschöpfer alleine und zurückgezogen in seinem Haus in Bad Reichenhall. Oestergaard soll in den letzten Jahren auch viel gemalt haben. Nach einem Oberschenkelhalsbruch zog er 2002 in ein Seniorenheim, wo er am Samstagmorgen friedlich einschlief.

 

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